Magazin |
04.03.26
Guidelines vs. Regelwerk
Was kann ein zeitgemässes Brand Manual? Wie unterscheiden sich Brand und CD-Manual? Und welche Form und welcher Umfang sind sinnvoll? Eine Annäherung aus unserer täglichen Erfahrung und Arbeit als Branding-Schöpfer und Gestalter:innen, inklusive aktueller Praxisbeispiele. Kurz: Ein Leitfaden für gute Guidelines.

Martin Frank
Strategie, Konzeption

Pascal Hegemann
Art Direction

Wie fühlt sich deine Marke an?
Reduce to the Max
Ein klassisches Corporate Design-Kompendium für eine internationale Marke konnte vor einigen Jahren schon 10 fette Ordner füllen und damit ein halbes Regal einnehmen. Plus unzählige Stunden in der Ausgestaltung und in der Nachverfolgung des Regelwerks beanspruchen.
Das hat sich über die letzten Jahre klar geändert. Unser allgemeiner Grundsatz gilt auch hier: So schlank wie möglich, so umfassend wie nötig. Ein zeitgemässes Manual definiert die Grundlagen zu Look-and-Feel, zeigt einige praxisnahe Anwendungen und bietet gleich die passenden Downloads dazu. Heute müssen nicht mehr alle Eventualitäten ausgearbeitet und vermessen sein.
Manuals schaffen Mehrwert
- Garantierte Konsistenz
Manuals gewährleisten ein einheitliches Erscheinungsbild über alle Kontaktpunkte hinweg. Das wirkt nicht nur professioneller, sondern zahlt durch einen wiedererkennbaren Auftritt auch massgeblich auf den Markenwert mit ein – über alle Anwendungen hinweg. - Mehr Effizienz
Das Manual dient als praxisnahe Richtlinie für interne Mitarbeitende, externe Partner und Agenturen. Daneben ist es aber auch als Quelle der Inspiration. Ein hilfreicher Ratgeber mit konkreten Beispielen. Ein gutes Manual ist ein praktischer Wegweiser, der Orientierung gibt und die User schneller ans Ziel resp. zur Lösung führt. Was wiederum mehr Effizienz im Alltag ermöglicht und massiv Kosten spart.
Kein Korsett, sondern inspirierende Guidelines
Das «Warum» und das «Wie» machen heute ein gutes Manual aus. Wie fühlt sich die Marke an? Wofür steht sie? Wie ist ihr Charakter? Welche Sprache spricht sie? Die User sollen verstehen und spüren, worauf eine Marke hinauswill, wie sie spricht, sich verhält und kleidet. Kurz: Inspirieren statt überregulieren.
Praxisnahes Skizzenbuch statt Regelwerk
Ein zeitgemässes Manual ist möglichst kompakt gehalten, mit konkreten Anwendungsbeispielen aus der Praxis, die auch Sinn machen. Massgebende und prägnante Visuals – in Form von Bildwelt, Illustrationen, Icons etc. Einige Headline- und Text-Beispiele zur Sprache und Tonalität, Genderformen und Satzbau. Beispielhafte Textmodule für Website oder Kampagne, die den Charakter aufzeigen. Alles, was dabei hilft, die Markenpersönlichkeit zu definieren und sich vom Wettbewerb abzugrenzen.
Natürlich sollten auch die zentralen Anwendungen definiert sein, welche die Marke im Alltag auch wirklich nutzt. Und nicht alle, die irgendwie darüber hinaus noch möglich wären. Auch Briefschaften sind heutzutage in den meisten Fällen obsolet, da im Unternehmen normal als MS-Template hinterlegt.
Welche Inhalte liefert ein aktuelles Manual?
Ein zeitgemässes Design Manual ist ein strategisches Arbeitsinstrument, das Markenidentität, Konsistenz und Flexibilität vereint. Es übersetzt die Markenstrategie in ein flexibles, digitales und verständliches Designsystem – konsistent, skalierbar und zukunftsfähig.
Was alle brauchen
Ein klare Struktur, praxisnahe Beispielanwendungen, Mood und Tonalität der Marke muss anwenderfreundlich rüberkommen.






Form follows Function
Die Form hat sich über die letzten paar Jahre komplett verändert. Weg von endlosen Print-Ordnern und PDFs, hin zu Online-Styleguides, die modular aufgebaut sind, einfach aktualisierbar und von überall aus zugänglich sind – praktisch und praxisnah.
So wird ein konsistentes Branding über alle Kanäle sichergestellt, inklusive Tonalität und digitalen Assets wie Icons und Grids. Gleichzeitig sind diese Assets so direkt zum Download verfügbar oder lassen sich gleich als Vorlage nutzen. Eine zentrale Frage dabei: Wer nutzt das Manual wirklich im Alltag? Und wofür? Diverse Agenturen und Anwender:innen im Unternehmen? Oder vor allem interne Designer, welche die Marke in und auswendig kennen?
PDF? Online? Tool? Website?
Manuals sind also nach wie vor zeitgemäss und relevant, die Form hat sich jedoch klar verändert und variiert deutlich je nach Grösse der Organisation, der Anwendung und dem Budget. Hierzu ein paar grobe Leitlinien zu den verschiedenen Optionen, mit denen wir gute Erfahrung gemacht haben.






Was passt zu euch?
Print-Booklet – «Der Klassiker»
Immer noch eine gute Option, vor allem für KMUs. Ein klares Signal als verbindliches Regelwerk.
Kunden-Beispiel ist Ernst Schweizer. Pricing: 15K–30K
PDF Booklet – «Praktisch und gut»
Ein Kompromiss – digital und Print vereint. Einfach anwendbar und der Acrobat Reader ist heute Standard, aber nicht konsequent digital.
Kunden-Beispiel wäre Nyffenegger oder Terresta. Pricing: 15K–30K (Druckkosten entfallen)
Online Tools – «Smart und sexy»
Alle Vorteile von Digital vereint – einfach, aktuell, praktisch und für alle zugänglich. Unser Favorit ist standards – professionell, aber nicht zu teuer.
Kunden-Beispiel ist swisspro AG.
Pricing: Entwicklung Inhalte 15K–30K
Hosting/Abo: 40.– CHF / Monat (2 User) für ein einfaches Tool wie Standards.
Eigenes Online-Portal – «Tailor made»
Das Tool nach Mass. Individualisierbar, sicher, auch für komplexere Systeme geeignet. Das hat natürlich seinen Preis.
Kunden-Beispiel ist die Stadt Zürich. Pricing: individuell auf Anfrage.
Brand Reference Styleguide – «Auf einen Blick»
Das einfache Tool für kleinere Unternehmen. Allein für sich eher schwierig und nur für erfahrene Designer zu empfehlen. Als Zusatz zu einer anderen Form jedoch auf jeden Fall eine gute Idee.
Pricing: 3K–5K
Wir unterstützen euch gerne dabei. Mit einer Review oder dem ganzen Auftritt.
Pascal Hegemann, Art Direction

Zur Übersicht